Eigenheiten bei den Störchen

 

Bevor Störche in den Süden ziehen versammeln sie sich zahlreich. Dabei werden schwache und verhaltensabweichende Tiere vertrieben, teilweise auch mit harten Gefechten. Diese Tötung der Artgenossen prägte den Begriff "Storchengericht". 


Sterben im Storchennest Jungvögel, so werden diese, wenn sie noch nicht zu groß sind, von den Alttieren gefressen. Es kommt auch vor, dass ein Alttier einen kranken oder schwachen Jungvogel frisst. Diese Verhaltensweise nennt man Kronismus, nach dem Göttervater Kronos, der seine Kinder, die Geschwister Zeus, selbst verzehrt hat.


Trotzdem ist die Fürsorge der Storcheneltern für ihre Jungen bezeichnend. In den ersten Wochen nach dem Schlüpfen der Jungvögel fliegt ein Partner auf Futtersuche aus und der andere bewacht derzeit den Horst. Fällt nun der Partner auf Futtersuche aus, verhungern die Jungen, denn der wachhabende Storch verlässt das Nest nicht.



Kronismus

 

beschreibt das Phänomen, dass Eltern ihre eigenen Jungen töten und danach aus dem Nest werfen oder selbst fressen.

Hergeleitet wurde die Bezeichnung aus der griechischen Mythologie:

Der Titan Kronos war der jüngste Sohn der Gaia und des Uranos.

Nach den Berichten Hesiods wurde Kronos von seiner Schwester Rheia zum Gatten genommen. Aus Angst, selbst entmachtet zu werden, fraß er jedoch fünf der Kinder, die aus dieser Verbindung entstanden.

Den jüngsten Sohn versteckte Rheia in einer Höhle des Berges Aigaion auf Kreta.Dem Kronos überreichte sie einen in eine Windel gewickelten Stein. Er verschlang diesen, ohne den Betrug zu bemerken, so dass Zeus ungestört heranwachsen konnte.

Was genau das Verhalten des Kronismus beim Storch auslöst bleibt noch unklar

Die Tat selbst ergibt sich aus mehreren Faktoren.

Zum einen kann es ein Nahrungsmangel im Brutrevier des Storches sein.

Durch das Töten des schwächsten Jungstorches (manchmal auch noch des Zweitkleinsten) wird das Überleben der Verbliebenen gesichert.

Das gefressene Küken dient als Nahrung für den Altstorch.

Dann spielt auch noch die aggressive Motivation (Kampfverhalten, durch Farbveränderung des Federkleides) eine Rolle.

Die am Nest ankommenden Eltern werden durch Klappern und Bettelrufe der Jungstörche begrüßt. 

Inwieweit diese Rufe bei den von Altvögeln gefressenen

Nestlingen fehlten, ist bisher nicht bekannt. Aber durch die Farbveränderungen (verklebte Federn an Kopf und Körper), gegenüber den anderen Küken, werden Aggressionen ausgelöst, die dieses

Verhalten beim Storch fördern. Hinzu kommt, dass männliche Geschlechtshormone die Bereitschaft zur Aggression fördern können. Bisher sind dementsprechend mehr männliche Weißstörche beim Kronismus beobachtet worden als weibliche.

Die Tat selbst gleicht dem Verhalten des Storches bei der Futtersuche (tot schütteln, hochwerfen und abschlucken im Ganzen). 

Das Auffressen nach dem Töten muss nicht unbedingt folgen; im Gegenteil - ein Abwerfen oder gar Wegtragen der getöteten oder

gestorbenen Jungen kommt häufiger vor.

Das traurige Ende eines Kükens aus dem Storchennest in Vetschau, welches dem Kronismus zum Opfer fiel, könnt ihr in diesem Video beobachten.

In nahrungsarmen Jahren treten Kronismus und das Abwerfen von Jungen häufiger auf als sonst.

Sehr verbreitet ist der Kronismus auch bei Eulen, Reihern und Greifvögeln.


  

Leuzismus - eine hübsche Laune der Natur

Immer wieder erreichen den LBV Anfragen von besorgten Vogelfreunden über Vögel mit geflecktem oder weißen Gefieder, wobei es sich um Arten handelt, deren Färbung eigentlich eine Andere ist. Dabei besteht kein Grund zur Beunruhigung, dies ist einfach eine Laune der Natur. Es ist keine Krankheit und kein Albinismus, sondern hier liegt ein so genannter Leuzismus vor.


Leuzismus ist in abgestufter Form bei vielen verschiedenen Vogelarten nachgewiesen worden. Am besten sieht man das an weißen Flecken im dunklen Federkleid bei Amseln oder Staren. Es ist eine harmlose Defekt-Mutation, die einfach dazu führt, dass das Fell und die Federn weiß und die darunterliegende Haut rosa ist, da die Haut keine Melanozyten, also farbstoffbildende Zellen, enthält. Im Gegensatz dazu sind beim Albinismus die Zellen zwar vorhanden, aber unfähig, den Farbstoff Melanin zu bilden.

Wie bei Säugetieren auch (die meisten Katzen mit weißem Fell sind z.B. leuzistisch) entstehen bei Vögeln schwarze und braune Farben durch verschiedene dunkle Pigmente, Melanine genannt. Neben Melaninen spielen bei Vögeln noch Carotinoide und Federstrukturen bei der Entstehung der Farben eine Rolle. Wenn bei Vögeln also die Melanine fehlen, kann das zu weißen oder aufgehellten Flecken führen.

Grundsätzlich gilt: Auch wenn bei leuzistischen Tieren Federpigmente fehlen, hat der Schnabel eine normale Färbung, etwa gelb oder orange, und die Augen sind normal dunkel, denn diese haben zumindest eine gewisse Anzahl pigmentbildender Zellen. Bei einer Albino-Amsel wäre beides rot oder rosa. Manchmal gibt es auch weiß-gefleckte oder gar komplett weiß gefärbte Amseln. In der freien Natur würden sie schnell von Beutegreifern erspäht werden, deswegen findet man sie fast nur in Städten.












 



 

Aktualisiert am:

30.10.2019



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